sächsische Infanterie marschiert auf
Schellenberger leben ihre Geschichte
Kapitel aus den Napoleonischen Kriegen wird wieder lebendig
Schellenberg. Zarte, grüne Spitzen schieben sich aus dem Acker. Die milde Frühlingsluft vermischt sich mit dem aufsteigenden Rauch des ersten kleinen Holzfeuers am Ortseingang von Schellenberg. Im Biwak an der Waldstraße herrscht gelassene Geschäftigkeit. Zivilisten klauben ihre Habseligkeiten aus den abgestellten Autos am Sportplatz und verwandeln sich nach und nach in Uniformierte. Das Wasser für den Tee im Freien ist heiß, die elf Mitglieder des "II. Korps-Artillerie zu Fuß" Schellenberg haben es sich am großen Holztisch gemütlich gemacht.
Die kleine Truppe um Vereinschef Wolfgang Müller erwartet mehr als 130 Uniformierte. Gemeinsam wollen sie die Schlacht nachstellen, die sich am 6. Oktober 1813 7000 Franzosen und 5000 Österreicher lieferten. "Nach einem halben Jahr Abstinenz sind wir süchtig nach Holzfeuerrauch und Schwarzpulverdampf", scherzen sie. Dem Gast machen sie den Einstieg ins Gespräch leicht. Bilder von geschlagenen Schlachten - egal, ob Sieger oder Verlierer - werden hervorgekramt, wie auch die Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse. Die Zeiten, wo man belächelt worden sei, die gebe es nicht mehr. Sagen sie. Natürlich müsse man schon ein bisschen verrückt sein, wenn man bis zu 30 solcher Gefechtstermine im Jahr absolviere. Was sie antreibe, seien die Erlebnisse, die andere nicht hätten.
Die Schallers aus Neustadt bei Stolpen sind zu dritt angereist. In Schellenberg sind sie bereits zum fünften Mal. "Wir haben hier 2008 schon ein Vier-Jahreszeiten-Biwak mitgemacht", erzählt Bernd Schaller und klärt im nächsten Satz auf. Man habe am Anreisetag bei hochsommerlichen Temperaturen die Zelte aufgebaut und sei am nächsten Tag durch den Schnee gestiefelt. Aber die Familie ist bestens gerüstet. Die wärmenden Schlafsäcke für die Nacht liegen schon bereit. "Eigentlich sind wir heute viel zu verweichlicht. Und zu alt. Die jungen Burschen, die in den Napoleonischen Kriegen kämpften, waren 18 Jahre alt. Uns fällt heute schon das Marschieren und das Stehen schwer", sagt der 66-Jährige, der damit begründet, dass dieses Biwak kein Männerulk sei. Ehefrau Anita nickt zustimmend.
Gelacht wird trotzdem. Zum Beispiel über die Sachsen - genauer gesagt die Männer vom Grenadierbataillon von Spiegel. Die hätten doch tatsächlich beschlossen, am Samstagmorgen von Wünschendorf nach Hohenfichte zu marschieren. "Das sind entlang der Flöha gut und gerne 15 Kilometer. Die machen wir platt, wenn sie ankommen. Denn dann sind sie ja schon völlig fertig", sagt Wolfgang Müller und hat die Lacher auf seiner Seite. Der Klempnermeister aus Schellenberg ist seit fünf Jahren und sechs Monaten Vorsitzender des militärhistorischen Vereins. An diesem sonnigen Nachmittag trägt er noch den Blaumann, für die nächsten beiden Tage wird er hinter einer der Kanonen stehen. Als Vorgeschmack darauf, wie laut es beim Gefecht an der Brücke zugehen wird, schießt er mit dem
originalen Nachbau einer französischen Reiterpistole in die Luft. "Wir werden schon mal einen Kanonenschuss abfeuern. Die Leute sollen doch wissen, dass wir da sind", verspricht der 52-Jährige der illustren Runde.
Warum man am Samstagnachmittag beim Gefecht an der Holzbrücke in Hohenfichte dabei sein muss? "Die Leute wissen nicht, was sie verpassen. Wir leben Geschichte - unsere Geschichte - und machen sie erlebbar", heißt die einstimmige Begründung.
Service
Das 5. Exerzierwochenende in Schellenberg beginnt am Samstag, 7 Uhr, mit dem Wecken, bis 11.30 Uhr gibt es Übungen im Biwak an der Waldstraße - unter anderem mit Vorführungen aus dem Lazarett. 15.30 Uhr wird das Gefecht an der Holzbrücke in Hohenfichte (etwa eine Stunde) nachgestellt. Sicherheitsabstand muss unbedingt eingehalten werden. 19 Uhr steht eine Geschützvorführung auf dem Programm, das 21 Uhr mit dem Nachtschießen endet.
Das war also die Eröffnung des Biwaklebens 2011.
Schellenberg ist immer eine Reise wert.
Hier gaben sich Franzosen ,Österreicher und Sachsen ein "Stelldichein" nicht nur auf dem "Gefechtsfeld".
Alle zeigten vollen Einsatz.
Den oben genannten Marsch mögen all die nachvollziehen die das mit einem Lächeln kommentierten.
Das ist wahres Nacherleben des Hobbys und ein wirkliches Zurückversetzen in die Zeit.
Es lebe der König !!!
des Königs Grenadiere